{"id":3845,"date":"2015-01-03T13:01:33","date_gmt":"2015-01-03T12:01:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.soarch.net\/?p=3845"},"modified":"2015-01-03T14:34:11","modified_gmt":"2015-01-03T13:34:11","slug":"funf-fragen-an-nina-george","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.natascha-manski.de\/?p=3845","title":{"rendered":"F\u00fcnf Fragen an&#8230; Nina George"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.soarch.net\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Nina_George_3.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3851\" alt=\"Nina_George_3\" src=\"http:\/\/www.soarch.net\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Nina_George_3.jpg\" width=\"400\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.natascha-manski.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Nina_George_3.jpg 400w, https:\/\/www.natascha-manski.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Nina_George_3-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Welche drei Begriffe fallen dir spontan zu deinem Beruf ein?\u00a0<\/strong><\/em><br \/>\nFreiheit, Endlosigkeit, Reisen.<\/p>\n<p><em><strong> Warum gerade diese Begriffe?<br \/>\n<\/strong><\/em>Weil ich frei bin \u2013 aber auch immer wieder darum ringen muss, diese Freiheit auszuhalten in ihren Konsequenzen. Ich bin meine Chefin und meine Sklavin, ich muss stets Verantwortung f\u00fcr alles \u00fcbernehmen. Das erm\u00f6glicht mir freie R\u00e4ume (Zeitr\u00e4ume, Denkr\u00e4ume, Lebensr\u00e4ume), aber durch ihre Grenzenlosigkeit kann ich auch leichter scheitern, mich verlieren oder m\u00fcde davon werden, niemals \u201efertig\u201c zu werden.<\/p>\n<p>Und da sind wir schon bei der Endlosigkeit: Mein Beruf h\u00f6rt niemals auf. Ich denke, f\u00fchle, nehme immer wahr. Ich sammele endlos ein, was ich dann eines Tages in Geschichten gei\u00dfe. Ich werde schreibend sterben.<\/p>\n<p>Und das Reisen? Ich erkunde mir reisend die Welt. Es ist mir immer wichtiger geworden, aus dem muffigen Tintenfass Deutschland heraus zu kommen, um andere Kollegen und Kolleginnen in ihren Lebensr\u00e4umen zu erleben. Finnland, Georgien, Israel, Rhodos, Amerika; ich will \u00fcber ihre Gedanken und Sorgen h\u00f6ren, f\u00fcr was sie k\u00e4mpfen, vor was sie sich f\u00fcrchten. Ich reise physisch aber manchmal auch nur in Worten in andere L\u00e4nder, und dort lerne ich, was das Leben und die Welt au\u00dferdem ist.<\/p>\n<p>Ich bin vor allem ber\u00fchrt, wenn ich Autoren und Autorinnen treffe, die aus L\u00e4ndern der Diktatur kommen, in denen sie und ihre Familien in Gefahr kommen, wenn sie ihre Meinung schreiben, wenn sie Kritik am Regime \u00fcben. So viele Autoren und Autorinnen, ob in Mexiko, in der T\u00fcrkei, in China, sind f\u00fcr ihren Mut zur Wahrheit in Gef\u00e4ngnisse gekommen, wurden gefoltert, wurden gedem\u00fctigt.<\/p>\n<p>Dieses andere Leben in Unterdr\u00fcckung, Schmerz und Gefahr zu sehen und wahrzunehmen, das ist f\u00fcr mich pers\u00f6nlich das Wichtigste, was wir, in unserer satten, sicheren Gesellschaft, niemals vergessen sollten.<\/p>\n<p>Es ist wichtig zu wissen, wie anders und grausam, aber auch wie zart und mutig die Welt ist, um eine Schriftstellerin zu sein, die Menschen wirklich ber\u00fchren kann. Und ber\u00fchren will.<\/p>\n<p><em><strong> Wenn es als Autorin nicht geklappt h\u00e4tte \u2013 womit w\u00fcrdest du dann deine Br\u00f6tchen verdienen?<br \/>\n<\/strong><\/em>Unm\u00f6gliche Vorstellung. Aber ich bin eine gute Organisatorin, eine gute Rednerin. Daraus h\u00e4tte ich sicher etwas machen k\u00f6nnen. Kanzlerin. Oder ihre Sekret\u00e4rin.<\/p>\n<p><em><strong> Stichwort Arbeitsstress \u2013 wie tankst du deine Akkus wieder auf?<br \/>\n<\/strong><\/em>Ich lese. Mit jedem gelesenen Wort kann ich besser atmen. Und das zweite: Von meinem Mann geliebt werden. Und ihn zur\u00fcck lieben. Und das Dritte: Schlafen ohne Wecker.<\/p>\n<p><em><strong> Welche Frage \u2013 die dir Journalisten bislang leider noch nie gestellt haben \u2013 w\u00fcrdest du gerne mal beantworten?<br \/>\n<\/strong><\/em>Frage: Was w\u00fcnschen Sie sich von der Buchbranche in Deutschland?<br \/>\nAntwort: Verlage m\u00fcssen Autoren und Autorinnen mehr Liebe, mehr Geld und bessere Vertr\u00e4ge geben, wenn sie \u00fcberleben wollen. Verlage d\u00fcrfen nicht die Bestseller der Vorsaison nachahmen, vom Inhalt bis zum me-too-Cover, sondern Mut f\u00fcr neue Themen und Erz\u00e4hlweisen haben. Sie k\u00f6nnen den Lesenden definitiv mehr zutrauen; wer liest, der kann einiges verkraften.<\/p>\n<p>Abgesehen davon w\u00fcnsche ich mir von Verlagen, dass sie ihre Kommunikation verbessern. Dringend!! Man kann ruhig auf eMails antworten, das ist kein Zeichen von Schw\u00e4che.<\/p>\n<p>Von Buchh\u00e4ndlern indes w\u00fcnsche ich mir, dass sie ihre Kunden und Kundinnen respektvoll behandeln, selbst wenn diese einen Lesegeschmack in den Laden tragen, der einem nicht passt. Ich kenne viele Leserinnen und Leser, die nur deshalb keine Buchhandlung mehr betreten, weil ihnen die H\u00e4ndler das peinliche Gef\u00fchl vermitteln, sich sch\u00e4men zu m\u00fcssen f\u00fcr ihre Liebe zu Twilight, zu Simmel oder zu Fitzek.<\/p>\n<p>Buchh\u00e4ndler sollen nicht belehren, sondern uns dazu bringen, eine Geschichte entdecken zu wollen, von dem wir noch gar nicht wissen, dass sie da zwischen den scheu\u00dflichsten Covern und me-too-Titeln auf uns wartet\u2026<\/p>\n<p>Und von der Politik? Ein starkes Urhebervertragsrecht. Eine starke internationale Gesetzgebung, die auch angewandt wird!, um digitale Piraterie, hier vor allem Anbieter, Uploader und Portalbetreiber, weniger den End-Konsumenten, zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Sorgfalt, auf wessen Alt\u00e4ren die europ\u00e4ische Politik bereit w\u00e4ren, Buchpreisbindung oder Urheberrechte zu opfern.<\/p>\n<p>Und die Einsicht, dass wir, die Schriftstellernden, nicht nur die Petersilie sind, die Deko auf dem Kuchen Gesellschaft, das \u201eNice to have\u201c \u2013 sondern das emotionale R\u00fcckgrat. Kultur ist ein Must Have. Wir brauchen eine nachhaltige digitale \u00d6kologie. Und was <i>das<\/i> ist, liebe Politiker, erz\u00e4hle ich Ihnen gerne pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p><em><br \/>\n<strong>Bestsellerautorin <a href=\"http:\/\/www.ninageorge.de\/\">Nina George<\/a><\/strong>, geboren 1973, arbeitet als freie Journalistin, Schriftstellerin und Kolumnistin. George schreibt Wissenschaftsthriller und Romane, Reportagen, Kurzgeschichten sowie Kolumnen. Ihr Roman \u201eDie Mondspielerin\u201c erhielt 2011 die DeLiA, den Preis f\u00fcr den besten Liebesroman. F\u00fcr ihren Kurzkrimi \u201eDas Spiel ihres Lebens\u201c wurde Nina George 2012 mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet.<br \/>\nIhr Roman <a href=\"http:\/\/www.droemer-knaur.de\/buch\/7765631\/das-lavendelzimmer\">Das Lavendelzimmer <\/a>stand wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste, wurde von der Presse begeistert besprochen und wird in 27 Sprachen \u00fcbersetzt. Unter ihrem Pseudonym Anne West geh\u00f6rt Nina George zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Erotikautorinnen. Mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller <a href=\"http:\/\/www.jensjkramer.de\/index.html\">Jens J. Kramer<\/a>, schreibt Nina George unter dem gemeinsamen Pseudonym <a href=\"http:\/\/www.jeanbagnol.com\/buch.html\">Jean Bagnol <\/a>Provencethriller.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Interview: Natascha Manski<br \/>\nBild:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.maurice-kohl.de\/\">Maurice Kohl<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ninageorge.de\">\u00a0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche drei Begriffe fallen dir spontan zu deinem Beruf ein?\u00a0 Freiheit, Endlosigkeit, Reisen. Warum gerade diese Begriffe? Weil ich frei bin \u2013 aber auch immer wieder darum ringen muss, diese Freiheit auszuhalten in ihren Konsequenzen. Ich bin meine Chefin und meine Sklavin, ich muss stets Verantwortung f\u00fcr alles \u00fcbernehmen. 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