Fünf Fragen an… Lilo Tadday

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Welche drei Begriffe fallen Ihnen spontan zu Ihrem Beruf ein?
Natur, Porträt, Rückzugsmöglichkeit. 

Warum gerade diese Begriffe?
Ich bin bei meiner Arbeit hier auf Helgoland – auf einem Felsen mitten im Meer – unmittelbar der Natur ausgesetzt. Und das Porträt reizt mich als Fotografin immer wieder – egal, wo auf der Welt ich unterwegs bin.
Den Porträtierten nähere ich mich unter meinem ganz persönlichen, intuitiven Blickwinkel an, und dem zumeist positiven Feedback entsprechend scheinen sie sich in den Arbeiten wiederzuerkennen, erkannt und anerkannt zu fühlen. Für den dritten Begriff habe ich mich entschieden, weil die Fotografie auch immer wieder eine Rückzugsmöglichkeit für mich bedeutet: Wenn ich mit der Kamera in der Natur unterwegs bin, kann ich alles andere ausblenden. 

Wenn es als Fotografin nicht geklappt hätte – womit würden Sie dann Ihre Brötchen verdienen?
Wahrscheinlich als Gärtnerin oder als Landwirtin.  

Stichwort Arbeitsstress – wie tanken Sie Ihre Akkus wieder auf?
Eigentlich verbiete ich mir das Wort „Stress“, was meistens auch ganz gut klappt. Ansonsten kann ich während der Arbeit die Akkus wieder auftanken – zum Beispiel auf Motivsuche in der Natur. 

Welche Frage – die Ihnen Journalisten leider nie stellen – würden Sie gerne mal beantworten?
Hmm, vielleicht die nach meinem Verhältnis zum Thema „Heimat“…  Meistens möchten Journalisten wissen, wo ich aufgewachsen bin und fragen dann nach meiner Antwort „in Karlsruhe“ nicht weiter nach. Meine Wahlheimat ist Helgoland, meine Wurzeln liegen jedoch weiterhin in Süddeutschland – für mich eine reizvoll konstrastierende Kombination, derer ich mir sehr bewusst bin. 

Lilo Tadday ist Inhaberin der wohl kleinsten Galerie Deutschlands: Auf rund 14 Quadratmetern präsentiert sie in der Hummerbude 36 auf Helgoland ihre Fotografien. Die Motive findet die begeisterte Taucherin nicht nur auf dem schroffen Felsen in der Nordsee, sondern in aller Welt – unter anderem hat sie Expeditionen der „Polarstern“ begleitet, porträtierte Fischer auf Sri Lanka und war zu Gast bei buddhistischen Mönchen in Ladakh. Mehr zu Lilo Tadday unter www.tadday-foto.de. 

Interview & Bild: Natascha Manski

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Darf’s ein bisschen mehr Warhol sein?

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Ein netter Nebeneffekt von wenig zielgerichteten Online-Recherchen: Man stolpert über irgendwelche Sachen, die nicht wichtig und schon gar nicht sinnvoll sind, die aber Spaß machen. Zum Beispiel das hier.

natascha_mal-anders

Kleiner Tipp: Ein Zeitlimit setzen, sonst ist – zack! – eine halbe Stunde rum…

Kategorie: Allgemeines | Tags:

In die Wüste geschickt

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Auf dem Kamel in einer Karawane durch die nordwestliche Sahara

Pechschwarzer Himmel mit vielen funkelnden Sternen wölbt sich über kilometerlangen Dünen. Kamele bewegen sich lautlos zwischen ausgebreiteten Schlafsäcken. In einer Feuerstelle brennt der Rest der Glut. Ein schwacher Geruch von Pfefferminztee liegt in der Luft. Es ist Nacht in der Sahara.
Adi beeindruckt dieses Szenario wenig. Der Berber ist seit 20 Jahren als Kameltreiber in der nordwestlichen Sahara in Marokko unterwegs, die Wüste ist für ihn Arbeitsplatz und Wohnzimmer zugleich. „Auf geht’s, wir wollen weiter“, sagt der Nomade am nächsten Morgen und zieht den Sattelgurt seines Kamels fester. Das Lastentier beschwert sich, blökt laut und guckt seinen Chef vorwurfsvoll an.

Raus aus der Zivilisation
Mit jedem Schritt auf den gemächlich im Passgang laufenden Kamelen entfernt sich die Karawane ein Stück von der Zivilisation, lässt die Stadt Zagora hinter sich, duchquert Stein- und Geröllwüsten und taucht in eine feine Sandwüste ein. Nun wird die Sicht in jeder Himmelsrichtung nur noch vom Horizont begrenzt, sieht eine fein geschwungene Düne aus wie die nächste. Spätestens in der Sandwüste lasse die meisten Menschen der Orientierungssinn im Stich, erzählt Adi und lächelt. „Sie laufen“, sagt er, und malt in der Luft mit seiner zerfurchten, ledrigen Hand kleine Kringel in die Luft, „dann immer nur im Kreis“.

Süßer Pfefferminztee
und fremde Gesänge

Etwa 25 Kilometer legen die Kamele täglich zurück, befördern Menschen, Lebensmittel, Töpfe und Zelte zum nächsten Schlafplatz unter freiem Himmel.

Und große Kanister tragen sie auch. Die Plastikbehälter haben gleich zwei Aufgaben: Zunächst befördern sie Trinkwasser, wenn sie leer sind, werden sie zum Instrument. Wie das geht? „Ganz einfach“, lacht Adi und beginnt, auf dem Resonanzkörper zu trommeln. Das macht er oft, abends, nachdem sich die Gäste der Karawane vor dem Feuer versammelt und gekochtes Hammelfleisch oder Couscous aus Tontöpfen gegessen haben. Wenn die Messingkanne mit duftendem Pfefferminztee und Zucker die Runde macht, gibt Adi den Rhythmus auf dem Kanister vor und beginnt zu singen. Von den Weiten der Wüste und von unerfüllter Liebe. Die Töne sind laut, die Schläge klingen dunkel, die Melodien arabisch und fremd. „Wer die Einsamkeit scheut, ist falsch in der Sahara“, sagt Adi, und legt den Kanister zur Seite.

Tomaten für Tabletten
Manchmal bekommen aber auch die Kameltreiber Besuch. In der Nähe der algerischen Grenze läuft ein dreiköpfiger Soldatentrupp auf die Karawane zu, bewaffnet und mit mürrischen Gesichtern. Adi marschiert den Fremden entgegen und kommt schließlich mit einer Plastiktüte zurück. „Einer der Männer hat Zahnschmerzen“, lächelt der Berber, und verstaut die Tüte, „Tomaten für Tabletten – ein guter Handel.“
Die Landschaft verändert sich, der Sand weicht Geröll und Steinen, Sträuchern und Tamarisken. Die Karawane zieht weiter, nächstes Ziel ist die kleine Oase Oulad Driss. Hier wohnen einige Familien, Kinder in farbenfrohen Hosen und Pullovern springen aufgeregt um die Gruppe herum, die weiter entlang des Oued Draa zurück Richtung Norden zieht.

Heiße Glut wird
zum Backofen 

Das Feuer entfacht Adi am Abend nicht nur für den Pfefferminztee. Brotteig wird auf der mit Sand bedeckten Glut ausgebreitet, auf ihm verteilt Adi angezündete Palmwedel und wieder Sand – der Teig wird so von beiden Seiten gebacken. Nach wenigen Minuten duftet es köstlich.

Die Farben am Himmel verändern sich von Orange über Glutrot bis zu Violet, schließlich verschwindet die Sonne ganz. Die Kamele machen sich auf die Suche nach Futter und die Karawanenmitglieder nach einem Schlafplatz auf einer Düne. Bevor sich die Runde am Feuer ganz auflöst, guckt Adi noch einmal in den Himmel und deutet auf die funkelnden Sterne. „Schön, nicht wahr?“, sinniert er und lächelt, „in der Stadt könnte ich nie leben“.

Erschienen in der WaS, Mai 2009
Text: Natascha Manski/Bilder: Reinhold Manski

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